Ex Astris Scientia
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Geschwindigkeiten und Entfernungen in Star Trek
(Auszug aus Star Trek Weekly 27/00)

Geschwindigkeit ist Strecke pro Zeit. Daß diese einfache Gleichung in Star Trek leider nicht immer aufgeht, ist teilweise auf peinliche Denk- und Rechenfehler der Autoren zurückzuführen. Zum anderen sind viele Ungereimtheiten aufgrund der Vielzahl der bereits etablierten und oft widersprüchlichen Fakten der Serie unvermeidbar.

Warum Warp? Das dramaturgische Konzept von Star Trek benötigte von Anfang an ein Raumschiff, das schnell genug war, um ein benachbartes Sternensystem in ein paar Stunden oder Tagen zu erreichen - man wollte dem Zuschauer "jede Woche eine neue Welt" präsentieren und ihn nicht mit dem Alltag auf einem Generationenschiff oder Kryoschiff langweilen. Da schnelle interstellare Reisen nur mit Überlichtgeschwindigkeit möglich sind, wurde der Warpantrieb "erfunden". Andererseits durften die Schiffe aber auch nicht zu schnell sein, da es meist handlungstechnisch erforderlich war, daß nach einem Notruf nicht prompt die gesamte Sternenflotte zur Stelle war, sondern eben nur die Enterprise. Außerdem sollte auch noch genügend unerforschter Raum für zukünftige Abenteuer bleiben. So ist die bekannte Warpskala zu erklären, die für TOS und in modifizierter Form seit TNG gilt, und bei der die maximale Geschwindigkeit -je nach Schiffsklasse- bei etwa Alt-Warp 6 (216-fache Lichtgeschwindigkeit) bzw. Neu-Warp-9 (1516c) liegt. Damit läßt sich ein fünf Lichtjahre entferntes Planetensystem in etwa acht Tagen (TOS) bzw. etwas mehr als einem Tag (TNG) erreichen (Star Trek Encyclopedia).

Hilfe, die Föderation schrumpft! Über die Größe der Föderation ist nur wenig bekannt. Eine Karte in TNG: "Das fehlende Fragment" deutete darauf hin, daß fast ein Drittel der Galaxie von Prof. Galen durchquert worden war. Am auffälligsten war eine Karte aus dem Sternenflottenhauptquartier in TNG: "Die Verschwörung", die schließlich in Keikos Klassenraum auf DS9 wieder auftauchte und viele Namen bekannter Orte zeigte. Gut ein Viertel der Galaxie (insgesamt 100000 Lichtjahre Durchmesser) war dort entweder erforscht oder der Föderation angehörig. Die Star Trek Encyclopedia schließlich nennt mehr oder weniger offiziell einen Durchmesser der Föderation von 10000 Lichtjahren (also schon wesentlich weniger als ein Quadrant), und Picard erzählt Lily in "Der erste Kontakt", daß es 8000 Lichtjahre seien.

Die beiden letzten Zahlen sind zwar in etwa gleich, müssen aber als zweifelhaft betrachtet werden, weil sie immer noch zu groß sind. Die Föderation könnte wohl kaum einen so starken Zusammenhalt besitzen, würde es wirklich mehrere Jahre brauchen, um sie mit einem schnellen Raumschiff zu durchqueren - von Wartung und Nachtanken ganz abgesehen. Außerdem ist es schon seltsam, daß auf der anderen Seite Bajor, Ferenginar, Erde, Qo’noS und Romulus alle nur ein paar Tage voneinander entfernt sein sollen, wie zahlreiche Episoden dokumentieren, während Föderationswelten Jahre auseinanderliegen. Dies hat man offensichtlich auch bei der Produktion von DS9 gemerkt und fast alle dort angegebenen Entfernungen erheblich geschrumpft. Laut dem DS9 Technical Manual sind es nun gerade einmal 50 Lichtjahre von Bajor am Ende von Nirgendwo bis zu den Kernwelten der Föderation. Nur so war es möglich, daß Besatzungsmitglieder von DS9 überhaupt einmal Urlaub auf der Erde machen konnten. Auch andere Geschwindigkeits- und Zeitangaben aus TNG und DS9 machen wieder sehr viel mehr Sinn, wenn die Föderation sehr viel kleiner ist, nämlich nur noch etwa maximal 200 Lichtjahre im Durchmesser. Interessanterweise findet man innerhalb dieser Region die meisten in Star Trek erwähnten realen Sternsysteme wie z.B. Altair, Aldebaran, Alpha Eridani oder Gamma Trianguli wieder. Leider liegen andererseits gerade die sehr "beliebten" (weil von den Autoren immer wieder gern erwähnten) Sterne Rigel und Antares mehrere hundert Lichtjahre außerhalb des 200ly-Durchmessers. Vielleicht sind dies isolierte Kolonien.


Karte der "kleinen Föderation" (Ausschnitt)
(Bild von Star Trek Dimension)

Wie wäre es aber, wenn nicht die Föderation kleiner, sondern die Raumschiffe schneller wären? Wie schnell beispielsweise Warp 6.0 in Lichtjahren pro Tag ist, wurde nämlich immer nur indirekt (z.B. in Datas berühmten Berechnungen) und oft widersprüchlich angegeben. Nun, abgesehen vom Problem, daß mit viel schnelleren Raumschiffen die ganze Galaxie innerhalb weniger Jahre bekannt wäre, würde die ganze Serie Star Trek: Voyager überhaupt keinen Sinn mehr machen. Denn warum sollte gerade die besonders schnelle Voyager dann 75 Jahre bis nach Hause brauchen? Es gibt in Fankreisen Konzepte von "Warp-Highways", die in bestimmten Raumregionen existieren und damit eine große Föderation und trotzdem lange Heimreise der Voyager erlauben würden, jedoch taucht nichts dergleichen in irgendeiner Episode auf. Also werden wir uns wohl oder übel mit einer weit kleineren Föderation anfreunden müssen.

Wie groß ist Starfleet? Die Frage nach der Zahl von Raumschiffen in der Sternenflotte kann man natürlich, wie es bei Fandiskussionen in Mode ist, aus den Dominionkrieg-Episoden ableiten, wo es mindestens neun Flotten mit mindestens je 200 Raumschiffen gab. Mit etwas gutem Willen kommt man auf mehrere tausend Raumschiffe - jedenfalls auf wesentlich mehr, als es zur Zeit von TNG zu sein schienen.

Eine andere Betrachtungsweise eröffnet sich jedoch, wenn man den beliebten Satz "Wir sind das einzige Raumschiff im Sektor" einmal genauer bedenkt, eine Situation, die vor allem in TNG mehrmals vorkam. Ein Raumsektor hat etwa eine Kantenlänge von 20 Lichtjahren. Ist die Föderation, wie zuvor postuliert, bei nur 200 Lichtjahren Durchmesser kugelrund, dann hat sie einen Rauminhalt von etwa 4,2 Millionen Kubiklichtjahren. Das ist trotz des scheinbar kleinen Durchmessers eine ganze Menge und würde 524 Sektoren entsprechen. Beziehen wir mit ein, daß bestimmte Raumsektoren wie z.B. im Zentrum der Föderation oder an der cardassianischen Grenze stets mit mehr Raumschiffen als anderswo "bevölkert" sind, so könnte auch bei insgesamt mehreren tausend Raumschiffen die Enterprise manchmal das einzige im Sektor bzw. in Tagesreichweite sein. Bei einem größeren Föderationsdurchmesser müßten die Raumschiffe gar noch dünner gesät sein, als in TNG der Eindruck erweckt wurde. Die Erklärung, warum im Dominionkrieg auf einmal riesige Flotten auftreten, ist dann einfach, wenn man bedenkt, daß es nur eine Frage von einer Woche ist, um eine solche Flotte aus den Sektoren in Reichweite zusammenzustellen - Zeit, die in TNG (z.B. "In den Händen der Borg", "Kampf um das Klingonische Reich") meist nicht vorhanden war.

Mit dem Shuttle auf interstellarer Tour? Der Sinn von Shuttles wird fraglich, wenn man ihre Höchstgeschwindigkeit von Warp 4 für den schnittigen Typ 9 (VOY: "Entscheidungen") oder nur Warp 2 für die TNG-Standardshuttles der Typen 6 und 7 (laut z.B. Star Trek Fact Files) bedenkt. Eine interstellare Reise würde damit viele Monate oder sogar Jahre dauern. An die vielen Gelegenheiten, wo gar das alte TOS-Shuttle (z.B. in TOS: "Metamorphose") oder eine Typ-15-Shuttlekapsel (TNG: "Verräterische Signale") dafür benutzt wurde, mag man erst gar nicht denken - denn diese beiden Typen haben offiziell nur Impulsantrieb. Hier wurde ganz offensichtlich nicht nachgedacht. Gleiches gilt für die zahlreichen fremden Raumfrachter, die die Autoren gern mit niedriger Warpgeschwindigkeit oder gar Impulsgeschwindigkeit durchs All schippern lassen. Man fragt sich, was außer Treibstoff und Vorräten für die Crew ein solcher Frachter noch transportieren könnte, ganz abgesehen von der unendlichen Langeweile auf einer solchen jahrelangen Reise. Da sich kaum leugnen läßt, daß Shuttles tatsächlich für größere Reisen verwendet werden, besteht die einzige Lösung darin, daß sie wesentlich schneller als behauptet sind.

Das Beta-Tabu Wer die Reise des wackeren Raumschiffs Voyager verfolgt und dabei die Karte unserer Galaxie studiert, wird schnell bemerken, daß der Delta-Quadrant nicht an den ersehnten Alpha-Quadranten grenzt, sondern noch der Beta-Quadrant dazwischenliegt. Nach inzwischen über sechsjähriger Reise und einigen langen Sprüngen (z.B. mit der Transwarpspule in "Die dunkle Grenze") sollte die Voyager nun (2376-77) die Grenze zum Beta-Quadranten überquert haben - was man rechnerisch über die Anfangsentfernung abzüglich aller langen und kürzeren Sprünge leicht zeigen kann. Die Autoren belassen das Schiff per Skript aber weiterhin im Delta-Quadranten. Der offizielle Grund ist ebenso einleuchtend wie dämlich: Die Produktion möchte gelegentliche Zuschauer nicht mit zu vielen Ortsangaben verwirren. Da muß sich die Geographie fügen. Nun ja, für eine gewisse Zeit kann man noch glauben, daß das Schiff noch immer im Delta-Quadranten ist. Schließlich werden hin und wieder Umwege nötig, um beispielsweise die Borg oder größere Anomalien zu umfliegen.

Absolut inakzeptabel ist jedoch, daß der Beta-Quadrant in sechs Jahren Voyager gerade zweimal(!) erwähnt worden ist, und davon nur einmal im Zusammenhang mit der Flugroute. Dabei spielt dieser Quadrant doch als die Heimat der Klingonen und der Romulaner sowie eines Teils der Föderation eine ganz große Rolle. Selbst in VOY: "Die Flaschenpost", wo die Prometheus von den Romulanern in ihr Territorium entführt werden sollte, wurde der Beta-Quadrant im Dialog zum Alpha-Quadranten gemacht. Nicht viel besser ist es dem Quadranten in DS9 ergangen, wo es stets nur um die Beherrschung bzw. Verteidigung des Alpha-Quadranten ging - haben die Klingonen und Romulaner ihre Heimat ganz vergessen? Man fragt sich, warum das wunderbare Konzept der vier Quadranten erst systematisch eingeführt und dann ebenso systematisch über den Haufen geworfen wird.

Mit Warp 10 unterwegs oder: Lurchi im All Viele Fehler in Star Trek sind erklärbar oder entschuldbar, aber nicht der Blödsinn, der in VOY: "Die Schwelle" verzapft wurde. Wir erinnern uns: Tom erreicht mit seinem modifizierten Shuttle Warp 10, was unendliche Geschwindigkeit bedeutet, mutiert zum Amphibium und zeugt kleine Lurchis mit Janeway. Es ist schon etwas masochistisch, die vielen Fehler in dieser Episode zu analysieren:

1. Millionen von Ingenieuren arbeiten über 100 Jahre am Transwarp-Antrieb, aber die kleine Crew eines verlorenen Raumschiffs schafft es in ihrer Freizeit.

2. Warp 10 ist unendliche Geschwindigkeit und ist damit theoretisch unmöglich. Mehrmals auch in der Episode selbst wird dies sogar explizit gesagt, aber Tom schafft es doch. Es soll nicht etwa nur jenseits der Meßgrenze und vielleicht "nur" Warp 9.999999999999, sondern wirklich Warp 10 gewesen sein.

3. v=a*t. Auf deutsch: Um unendliche Geschwindigkeit v in endlicher Zeit t zu erreichen, muß die Beschleunigung a unendlich groß sein - d.h. weder von Tom noch von seinem Shuttle dürfte viel übrig sein, es sei denn, das IDF (Inertial Damping Field) ist auch unendlich groß geworden, um sie zu schützen.

4. Der Ausdruck "Schwelle" suggeriert, daß Tom sogar noch "schneller als unendlich schnell" war. Nun könnte die Schwelle bloß den Einsatz des neuen Transwarpantriebs definieren und noch bei endlicher Geschwindigkeit liegen, aber laut Dialog war die Schwelle exakt bei Warp 10 und damit bei unendlicher Geschwindigkeit.

5. Wenn wir einmal akzeptieren, daß Tom wirklich unendlich schnell war, wie konnte er dann einen definierten Weg zurücklegen? Die Chance, beim gezeigten schnellen Abbremsen wieder am Ursprungsort zu landen, ist nämlich so gut wie Null.

6. Ein mit unglaublich hoher Geschwindigkeit reisendes Schiff würde dabei massenweise stark blauverschobene (Röntgen-) Strahlung absorbieren. Welche Folgen dies einerseits für Tom und andererseits für die Sensoren haben würde, darüber möchte man wohl nicht weiter nachdenken. Wie aber Toms Sensoren noch irgendetwas Vernünftiges registrieren konnten geschweige denn schöne Echtfarben-Fotos von Planeten schießen, ist schon wundersam.

7. Menschen entwickeln sich weiter zu Lurchen - oder was auch immer Tom darstellen sollte? Keine Sorge, denn Evolution ist viele Generationen dauernder Prozeß, der u.a. von ganz spezifischen Umweltbedingungen abhängt. Daß ein einzelnes Individuum während seines eigenen Lebens der Evolution unterliegt, ist schon ein Widerspruch in sich.

8. Warum war Tom vorübergehend nicht in der Lage, normale Luft zu atmen? Wenn dies Teil seines angeblichen Evolutionsprozesses wäre, dann wäre seine Art ohne Krankenstation in der freien Natur zum Aussterben verdammt.

9. Wir kennen wundersame Rücktransformationen nach schlimmen Entstellungen aus vielen Episoden. Warum aber kann Tom am Ende so schnell und gründlich wiederhergestellt werden, nachdem von seine DNA praktisch nichts mehr übrig ist?

 

Danksagung

Vielen Dank an Christian Rühl von Star Trek Dimension, von dem ich zahlreiche Argumente zur Größe der Föderation und zum Beta-Tabu übernommen habe.

 


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Last modified: 20.10.07  
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