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Star Trek auf deutsch
Übersetzungsfehler und -Probleme aus über 30 Jahren

Summary Translating is an extremely complex task that needs to take into account a vast number of variables and is still practically impossible to be performed automatically (if you don't believe me, try Babelfish and look at the mess). Despite all carefulness there is nothing such as a perfect transfer from one language to another. This write-up summarizes and comments on countless typical and particular translation problems of the German language version of Star Trek. For instance, the translation must decide about the use of the polite "Sie" or rather the familiar "du" for the English "you". Or whether or not to adapt names to German standards like "Klingonen" instead of "Klingons". In some cases the German translation is just in error or has even been intentionally falsified, for reasons which are not usually obvious. Finally, series and episode titles have not always been translated literally, and too often "dumbed down" to be better comprehensible or sound more interesting. Or would you have expected that the blunt "Incursion into History" is the back-translated German name for "The City on the Edge of Forever"?

Please note that, as hard as I may try, I feel unable to translate this article, since even in English and with additional explanations and examples intimate knowledge of the German language would be required to understand it. So don't bug me! 

"Sie werden Shakespeare erst richtig genießen, wenn sie ihn im klingonischen Original lesen."

Kann man Entsprechendes auch über die deutsche "Originalversion" von Star Trek sagen? Eine Übersetzung ist eine höchst komplexe Aufgabe, bei der eine Unmenge an Variablen berücksichtigt werden muß und die bis heute praktisch nicht automatisiert werden kann. Bei aller Sorgfalt kann es eine perfekte Übertragung von einer Sprache in eine andere nicht geben.

Wie fast jede Übersetzung verlieren daher auch die deutschen Fassungen der verschiedenen Star Trek Serien seit TOS (synchronisiert ab 1973) stets etwas von ihrer ursprünglichen Aussagekraft. Die synchronisierten Episoden sind nicht immer ganz wortrichtig, sinngemäß oder stilsicher, es schleichen sich manchmal peinliche Fehler ein, und in einigen wenigen Fällen wird der Sinn des Originals gar völlig verfälscht.

 

Herr Knigge und die Zukunft

Eine sehr wichtige Aufgabe der Übersetzung ist es, neben dem Wortsinn auch den Ton des Vorbilds möglichst gut zu treffen. Dies hatte allerdings nicht immer die höchste Priorität, wenn es um Fernsehserien ging. Gerade Anfang der 70er Jahre war es offenbar in Mode, eine flapsige Sprache zu verwenden, auch wenn sie so nicht im fremdsprachigen Original vorhanden war. Ein bekanntes Beispiel aus dieser Zeit ist "Die Zwei" mit Tony Curtis und Roger Moore, eine Krimiserie, die zwar von Natur aus etwas skurril daherkam, aber in Deutschland vor allem wegen der flotten Sprüche in der Synchronisation beliebt wurde. Auch TOS mag etwas unter diesem Trend gelitten haben. Zwar war der Umgangston vor allem zwischen Kirk, McCoy und Scotty recht familiär, und insbesondere die wiederholten Witze über Spocks Ohren sind durchaus authentisch. Doch im Original hat Kirk zu einem Außerirdischen beispielsweise nie so etwas wie "Mach Dir mal nicht ins Hemdchen" gesagt. Auch in den Folgen, die erst 1988 im Auftrag von SAT.1 synchronisiert wurden, findet sich konsequenterweise diese Sprache, hier gelegentlich mit zeitgemäßen Begriffen angereichert. So schlägt Sulu in TOS: "Implosion in der Spirale" vor, etwas Aerobic zu machen. Das hätte er in den Folgen der 70er Jahren mit Sicherheit nicht getan.

Etwas anders verhält es sich mit den Nachfolgeserien, wo ein anderer Trend offensichtlich wird. War die Übersetzung von TOS aus der Flower-Power-Zeit immer ein bißchen lockerer als das Original, so ist es seit TNG, das in den USA unter dem Eindruck von "Political Correctness" produziert wurde, vielleicht eher umgekehrt. Die deutsche Version kommt oft noch etwas gesetzter und formaler daher. Dies setzt sich in DS9 und vor allem Voyager fort.

Die Autoren von Voyager haben einige Wörter oder Ausdrücke besonders liebgewonnen. So wird aus "efficiency" dort meist "Effektivität". Dieses Wort gibt es zwar laut Duden, aber "Effizienz" oder vielleicht "Wirkungsgrad" hätten sich deutlich besser angehört. Insbesondere Seven of Nine spricht im Deutschen gestelzt wie eine pensionierte Oberverwaltungsdirektorin. "Die Kinder wünschen an dieser Aktivität zu partizipieren." Auf deutsch: Die Kinder möchten gern mitmachen. Zwar pflegt sich Seven auch im Original ungewöhnlich formal auszudrücken, doch haben die Übersetzer nicht berücksichtigt, daß "to participate" im Englischen sehr gebräuchlich ist, während im Deutschen niemand jemals "partizipieren" statt "teilnehmen" sagen würde, auch nicht Seven. Ähnliches gilt für die "Aktivität", die im Deutschen üblicherweise als Oberbegriff dient (daher meist im Plural), sehr selten hingegen für eine bestimmte Tätigkeit. Noch krasser ist es, daß Seven in "Alice" und später noch einmal Tuvok etwas "examinieren" möchten, es sei denn, sie halten ein Examen ab. Offensichtlich hat ein unfähiger Übersetzer einfach das Wort "to examine" wörtlich richtig und semantisch falsch übernommen, statt einfach "untersuchen" zu sagen. Ein Fehler, den Soval in ENT: "Zu Hause" wiederholt. Aber auch schon in TNG finden sich solche Stilblüten, wie beispielsweise Datas "Emittierungen" (statt Emissionen) in TNG: "Das Recht zu leben".

Ein besonderes Übersetzungsproblem ergibt sich aufgrund der deutschen Höflichkeitsform. Natürlich würde auf einem ordentlichen deutschen Raumschiff im Dienst jeder den Captain siezen und wahrscheinlich auch umgekehrt. Auch die meisten Offiziere würden "Sie" zueinander sagen. Aber im Privatbereich würde es anders aussehen. Wir wissen, daß viele Crewmitglieder befreundet oder gar miteinander verbandelt sind. In der deutschen Fassung kommt dies jedoch oft nicht herüber, wenn alle in der Freizeit beim "Sie" bleiben statt zum "Du" zu wechseln. Daß beispielsweise Riker und Troi einmal ein Paar waren, davon merkt man in vielen Episoden von TNG recht wenig. Denn gelegentlich siezen sie sich auch außerhalb des Dienstes, wie beispielsweise in TNG: "In den Subraum entführt" oder in "Beförderung". Besonders unangenehm fällt das Siezen außerdem bei Tom und Harry auf, die ja einen guten Teil ihrer Freizeit mit gemeinsamen Interessen verbringen. Wenn diese beiden sich nicht duzen, wer dann? Bei Enterprise macht es die deutsche Übersetzung wesentlich besser. Archer und Tucker duzen sich immer, was hier auch im Dienst angebracht wirkt. Im übrigen bleibt die Frage, ob der Schiffscomputer geduzt werden soll. Dies ist meistens der Fall, aber in einigen TNG-Folgen wie beispielsweise "Die ungleichen Brüder" wird er gesiezt. Also, ich sage meist "*du* Mistding". ;-)

Recht häufig geht ein Wortwitz des Originals verloren, weil die deutsche Übersetzung diesen nicht oder nur unzureichend nachbilden kann. Kurioserweise gibt es aber auch ein Gegenbeispiel. Obgleich es im Original in "Star Trek: Die Suche nach Mr. Spock" bei der Flucht aus dem Raumdock lediglich "The doors, Mr. Scott" heißt, wird daraus im Deutschen ein humoriges "Die Schotten, Mr. Scott".

 

Der Name der Rasse

Üblicherweise gilt, daß Namen nicht übersetzt werden. Dies ist aber bei zusammengesetzten Begriffen oft erwünscht, damit der deutsche Dialog nicht mit Fremdwörtern überfrachtet wird. Bei Namen ist es noch wichtiger als bei technischen Begriffen, daß man eine einheitliche Übersetzung wählt. Die Föderation wurde trotzdem öfter schon einmal umbenannt. In TOS war es meist die "Föderation der Verein(ig)ten Planeten", während sich später nach und nach die von der Wortstellung korrekte "Verein(ig)te Föderation der Planeten" durchsetzte. Wobei noch anzumerken wäre, daß egal in welcher Reihenfolge schon die englische Originalbezeichnung "United Federation of Planets" wenig Sinn ergibt. Denn das "Vereinigte" ist ja schon im Begriff "Föderation" inbegriffen. Des weiteren brauchten die Übersetzer auch gut 20 Jahre, bis sie den Namen "Starfleet" einheitlich und korrekt als "Sternenflotte" übersetzten. Vor allem in den Kinofilmen war bis einschließlich "Der erste Kontakt" immer wieder von der "Raumflotte" die Rede. Dieser Fehler kann eigentlich nur dadurch entstanden sein und sich fortgepflanzt haben, daß sich die Übersetzer der Trek-Filme für ihre Arbeit wohl keine Fernsehepisoden ansehen wollten. Aber auch in den Fernsehepisoden war die Übersetzung des Begriffs bis DS9 nicht einheitlich. In TNG: "Datas Nachkomme" kündigt gar Worf Picard "eine Nachricht von der Raumflotte" an, und nur wenige Sekunden später spricht Admiral Haftel auf dem Bildschirm von der "Sternenflotte".

Bei Schiffs- und Klassennamen sollte grundsätzlich keine Übersetzung stattfinden, woran man sich glücklicherweise fast konsequent gehalten hat. Denn wer wollte auf der "USS Unternehmen der Verfassung-Klasse" gern Dienst tun? Oder gar auf der "USS Kühn der Trotzig-Klasse"? Aber Spaß beiseite, in ein paar Fällen war eine Übersetzung durchaus angebracht. So identifiziert Sulu den klingonischen Bird-of-Prey in "Star Trek: Die Suche nach Mr. Spock" als "Raubvogel-Klasse". Da das Schiff tatsächlich wie ein Raubvogel aussieht und die menschliche bzw. englische Bezeichnung, wenn überhaupt, lediglich eine Übersetzung des klingonischen Namens sein kann, ist die Weiterübersetzung ins Deutsche durchaus sinnvoll.

Ein gravierender Fehler zieht sich durch Star Trek seit TNG, wobei das englische "human" häufig als "humanoid" statt richtig als "Mensch" oder "menschlich" übersetzt wird. Hierdurch verwischt in der deutschen Fassung der oft entscheidende Unterschied zwischen Menschen und anderen humanoiden Spezies. Wenn der nicht-humanoide Odo im Deutschen von "Humanoiden" spricht, so meint er damit tatsächlich "humanoids". Die sogenannten "Humanoiden" des deutschen Quark bezeichnen hingegen fast immer "humans", also Menschen. Höchstens in einem Stoßseufzer spricht er einmal von "Menschen" und ihren Eigenarten, wenn er Menschen meint. Im Falle der Ferengi wiegt die Fehlübersetzung besonders schwer, da keine Chance besteht, den abschätzigen Ton von "Hew-mons", wie es die Ferengi im Original sagen, mit dem Fremdwort "Humanoide" zu treffen. Es ist auch in dieser Hinsicht wesentlich besser, wenn die deutschen Ferengi "Männ-chen" sagen. Leider hat es sehr lange gedauert, den Fehler mit den "Humanoiden" weitgehend auszumerzen. In Enterprise ist er bislang noch nicht aufgefallen. Übrigens wurde der Begriff "females", den Ferengi für Frauen jeglicher Spezies verwenden, nur am Anfang von TNG als "Weibchen" übersetzt. Später setzten sich die "Weiblichen" durch, obgleich das diskriminierende Wort "Weibchen" durchaus die Ausdrucksweise der Ferengi getroffen hätte.

Die deutsche Sprache erlaubt wesentlich mehr Variation bei der Wortbildung als Englisch. So kann man "Klingon woman" als "klingonische Frau" oder aber als "Klingonenfrau" übersetzen. Im Vergleich mit äquivalenten Wörtern aus der wirklichen Welt wird klar, daß das zusammengesetzte Wort einen despektierlichen Unterton hat. "Türkenfrau" würde zu recht niemand sagen, weil es einfach respektlos klingt. In TNG: "Klingonenbegegnung" ("The Emissary") wird leider (wie der Episodentitel schon ankündigt) konsequent die zusammengesetzte Variante verwendet, und es wimmelt in der Folge nur so von "Klingonenschiffen", "Klingonenkriegern" und eben "Klingonenfrauen". Nicht viel besser ist es beispielsweise in TNG: "Die Sünden des Vaters" und zahlreichen anderen TNG-Episoden. Noch eine andere Variante taucht in "Star Trek: Die Suche nach Mr. Spock" immer wieder auf. Hier sind es nämlich auch im Deutschen die "Klingons", und Kruge ist ein "Klingon-Commander" -- wie auch immer man das schreiben mag, denn diese Art der Wortbildung ist fragwürdig. In diese Kategorie gehört auch der "Vulkan-Junge" aus demselben Film.

Während insgesamt etwas mehr Kontinuität wünschenswert wäre, ist die Verwirrung bei der Wortbildung durchaus verständlich, da es mehrere Möglichkeiten gibt, Namen ohne Endungen wie "Klingon", "Vulcan" oder "Romulan" einzudeutschen. So gibt es neben der schlechten (weil zu englischen) Version "Klingons" außerdem noch die Version "Klingonier", wie sie z.B. in "Kennen Sie Tribbles?" genannt werden, oder die "Klingonesen" aus "Star Trek: Der Zorn des Khan". Überhaupt tauchen immer wieder leichte Varianten auch bei vermeintlich gut eingeführten Namen auf. So heißen Romulaner bisweilen "Romulanier", und zwar mit Vorliebe in den Kinofilmen. Und Spock wird, wiederum im schlampig übersetzten Film "Star Trek: Die Suche nach Mr. Spock", von Kirk zu einem "Vulkaner" gemacht.

Auch die Aussprache von Namen wechselt schon einmal, was dann eher Fehler der Dialogregie sein dürften. So wird Vash aus TNG: "Picard macht Urlaub" zunächst zu "Wasch", in ihren späteren Auftritten jedoch zu "Wash" (wobei die originale Aussprache irgendwo in der Mitte liegen dürfte). Daß Dr. Crushers Synchronstimme in einigen späteren TNG-Folgen mitunter Deanna wie (Princess) "Diana" ausspricht und Sisko in DS9: "Q-Less" das "Daystorm"-Institut erwähnt, sind weitere ärgerliche, wenn auch vielleicht noch verzeihliche Fehler. Nur daß der bereits zuvor bekannte Planet Galorndon Core in TNG: "Wiedervereinigung?" im Deutschen zum "Galorndon-Kern" wurde, ist schon ziemlich peinlich...

 

Technogebabbel

Mit der Fülle von technischen Begriffen in Star Trek tut sich zugegebenermaßen auch das englische Original manchmal schwer. Aber die deutsche Übersetzung schafft auch auf diesem Gebiet noch ein bißchen mehr Verwirrung. In vielen Fällen waren sich verschiedene Übersetzer nicht einig, wie denn nun der deutsche Begriff einheitlich heißen soll. Ein schon historisches Beispiel ist der Warpantrieb, der in den ursprünglich vom ZDF eingekauften und ab 1973 gesendeten Folgen "Solantrieb" hieß. Offensichtlich wollte man die Zuschauer nicht mit einem seltsam klingenden Fremdwort belasten, für das es im Deutschen keine Entsprechung gibt, und "Verbiegungsantrieb" hört sich nun wirklich nicht sehr schön an. Mit den Kinofilmen wurde dann aber auch der Begriff "Warp" aus dem Original übernommen und konsequent in den ab 1988 bei SAT.1 gesendeten bislang ungezeigten TOS-Folgen verwendet.

Manche Übersetzungsfehler sind einfach nur absurd. So heißt es auf einem Schlachtkreuzer in TNG: "Der Kampf um das Klingonische Reich": "Der vordere Unterbrecher ist ausgefallen." Unterbrecherkontakt? Ottomotor oder was? Die Stilblüte wird erst klar, wenn man zurückübersetzt oder sich die Originalfolge anschaut. Es ist nämlich ein Disruptor gemeint, der dann in der allzu wörtlichen Übersetzung zum "Unterbrecher" wurde. In DS9: "Der Abgesandte" erzählt Sisko, daß er auf den "Utopia-Höfen" tätig gewesen sei. Hat er da ausgemistet? Oder Schweine gefüttert? Gemeint waren natürlich die Utopia Planitia Fleet Yards. In beiden Fällen wußte der Übersetzer überhaupt nicht, was er tat, und er hätte merken müssen, daß der deutsche Kontext mit seinen Worten völlig unsinnig wird. Bei Harrys "Krotonenfluß" (hört sich lecker an) in VOY: "Zeitschiff Relativity" handelt es sich dagegen wohl eher um einen Lesefehler oder Versprecher, ebenso bei Worfs schon legendärer "Raumgeschwindigkeit" (ist die Defiant sonst nicht im Raum?) in "Der erste Kontakt".

Auch Begriffe mit bislang einheitlicher (und guter) deutscher Übersetzung fallen bisweilen einer besonderen Kreativität oder aber Ignoranz zum Opfer. Nur so ist zu erklären, daß Seven of Nine in VOY: "Die Denkfabrik" ironischerweise aus dem Universalübersetzer einen "Juniwörsel Tränsläiter" macht -- um die Aussprache mal so zu verdeutlichen, wie es die Compjuter Bild tut. Dies bleibt zum Glück ein Einzelfall in der Serie, aber in derselben Folge kreiert Kurros mit der "variablen Gravität" (statt Schwerkraft) einen noch schlimmeren Anglizismus. Ein weiteres Beispiel findet sich in VOY: "Zeitschiff Relativity". Hier heißt es gleich zweimal: "Verringern Sie das Kraftfeld". Im Original natürlich: "Lower the forcefield", also "Senken Sie das Kraftfeld". Bei Enterprise wurde aus den anfänglichen "Phaserpistolen" später "Phasenpistolen". Dies war sicher eine gute Entscheidung, da ja "phase pistols" eben keine Phaser sondern "primitiver" sein sollen, auch wenn sie in der Wirkung eigentlich gleich sind. Und schließlich gibt es natürlich noch die allgegenwärtige "Sensorenphalanx". Hier war offensichtlich ein ganz besonders kreativer oder ein ganz besonders altmodischer Übersetzer am Werk, der das Wort "array" im Langenscheidt als "Schlachtordnung" nachgeschlagen hat. Und eine "Phalanx" ist eben nichts anderes als eine antike Schlachtaufstellung, hat jedoch außerhalb von Star Trek rein gar nichts mit Sensoren zu tun. Nun ja, vielleicht bald doch, wenn diese Übersetzung Schule macht.

In einigen wenigen Fällen fragt sich der Zuschauer, der das Original kennt, ob der Übersetzer überhaupt der englischen Sprache mächtig ist. In DS9: "Die Prophezeiung" heißt es: "Der Warpwirbel ist [tech]. Das macht *ihn* zu einem Sternenflottenreaktor." Also ist der Warpwirbel ein Reaktor? Das ist natürlich Blödsinn. Tatsächlich heißt es im Original "That makes it a Starfleet reactor". In der englischen Redewendung bezieht sich "it" eben nicht auf das zuvor erwähnte Wort. Ein guter Übersetzer hätte das gewußt, auch ohne die Bedeutung des Satzes komplett zu verstehen. Und dann gibt es noch die "Seitenwaffen" in VOY: "Kontrapunkt", wobei es sich natürlich um "side arms", also Handwaffen handelt. Aber es geht noch schlimmer. In TNG: "Das Experiment" ist Dr. Crusher allein auf der Brücke, blickt auf den nebligen Bildschirm und fragt: "What is that mist I'm seeing?" In der deutschen Folge wird daraus: "Was ist das für ein Mist, den ich da sehe?"

Weiterhin können "microns" als Maßeinheit richtig nur als "Mikrometer" übersetzt werden; eine Einheit namens "Mikronen" wie in TNG: "In den Subraum entführt" und einigen anderen Folgen existiert nicht. Nun ja, immerhin kommt in Star Trek ein ständiges Ärgernis bei inkompetenten Übersetzungen gar nicht vor, nämlich daß "one billion" (=10^9) als "eine Billion" (=10^12) übersetzt wird. Erstaunlich, da es anderswo häufiger falsch als richtig gemacht wird.

 

Ein deutsches Paralleluniversum?

Pavel Chekov wurde in der deutschen Fassung zu "Pane", was kein russischer Name ist. "Pane" is jedoch ein tschechisches Wort, das einfach "Herr" bedeutet (als Anrede, vgl. Pan Tau). Also redet Kirk Chekov (korrekte Schreibweise eigentlich Chekhov = Tschechow = "der Tscheche"!) auf tschechisch mit "Herr Chekov" an. Tatsächlich wird "Mister Chekov" auch in der tschechischen Synchro als "Pane Chekov" übersetzt. Schlußfolgerung: In der deutschen Synchronisation ist Chekov, seines Nachnamens wegen, eigentlich ein Tscheche, obwohl seine verschiedenen russischen Anekdoten mehr oder weniger wörtlich übersetzt wurden.

Einige andere Fehlübersetzungen sind bis heute unerklärlich. Spocks Mutter Amanda wurde in TOS: "Die Reise nach Babel" zu "Emily" abgeändert. Da die beiden Namen phonetisch nur entfernt ähnlich sind, handelt es sich wohl nicht um ein Versehen. Aber Amanda ist nun wirklich kein Name, der im Deutschen irgendwie mißverständlich oder anstößig gewesen sein könnte. Ein Sinn dieser Umbenennungen ist bis heute nicht ersichtlich. Genauso verhält es sich mit Gary Seven, der in TOS: "Ein Planet, genannt Erde" zu "Felix Sevenrock" mutierte. Ob der mit Frau Siebenstein verwandt ist? Der Borg, den Geordi in TNG: "I, Borg" bzw. "Ich bin Hugh" vom Kollektiv befreit, wird in der Episode selbst sinnigerweise "Du" genannt. Nun war dies offensichtlich ein Versuch, das kleine Wortspiel mit "Hugh" (phonetisch identisch mit "you") zu imitieren, doch wenn nicht einmal der Titel dies aufgreift ("Ich bin Du" hätte sich auch wohl mehr nach einer Doppelgänger-Episode angehört), kann man dies nur als total mißlungen betrachten. Zudem wurde Hugh bei seinem späteren Auftritt in TNG: "Descent ("Angriff der Borg") auch im Deutschen als "Hugh" bezeichnet. [Nachtrag: Überraschenderweise ist dies inzwischen auch in der Episode "Ich bin Hugh" entsprechend korrigiert worden.]

Der Sinn des Originals geht auch dem Namen "Locutus of Borg" verloren, der in der deutschen Version TNG: "In den Händen der Borg" (Best of Both Worlds, Part I") sich mit den recht beiläufigen Worten "Ich bin Locutus, *ein* Borg." vorstellt. In TNG: "Die Damen Troi" wird Wesley am Ende der Folge zum Ensign befördert. Nun wurde "ensign" bis dahin immer als "Fähnrich" übersetzt, was sachlich zwar nicht ganz richtig ist ("ensign" ist der niedrigste Offiziersrang, "Fähnrich" hingegen ein Offiziersanwärter), aber immerhin war es einheitlich. Warum die deutsche Übersetzung nun aber den seltsamen Weg wählt, "honorary ensign" als "Fähnrich ehrenhalber" und "ensign" als "Lieutenant" zu übersetzen, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Ein berüchtigter Übersetzungsfehler findet sich in "Star Trek: Der Film". Als Kirk mit Scotty auf dem Weg zur umgebauten Enterprise ist, sagt Scotty: "Und Sie, Captain, haben noch keine Erfahrung mit dem Schiff". Daraufhin entgegnet Kirk, daß er sich das durchaus zutraue und sagt dem verdutzten Scotty, daß er das Kommando zurückbekommen habe. Im Original erzählt Scotty, daß *der Captain* keine Erfahrung habe, womit natürlich Decker gemeint ist. Scottys Überraschung über Kirks Kommando in der deutschen Übersetzung ergibt überhaupt keinen Sinn, wenn er es doch ohnehin schon weiß. Und so umnachtet, daß er das, was er selbst sagt, erst später versteht, sieht der gute Chefingenieur hier nun wirklich nicht aus.

Das mit Abstand krasseste und in seiner Art einmalige Beispiel einer falschen Übersetzung, die zudem mit voller Absicht geschehen sein muß, ist die Folge TOS: "Weltraumfieber" (im Original: "Amok Time"). Der gesamte Sinn der Folge wurde vollständig verändert. Im Original tritt Spock in das Pon farr ein. In der Übersetzung ist er einfach nur "krank". Im Original fliegt die Enterprise tatsächlich nach Vulkan. Die deutsche Version läßt alles, was dort passiert, nur einen Traum sein. Der Original-Spock kämpft gegen Kirk, glaubt ihn getötet zu haben und freut sich sichtlich, ihn auf dem Schiff lebend wiederzusehen (Kirks Tod war durch eine Injektion von McCoy vorgetäuscht). Der deutsche Spock rennt im "Weltraumfieber" verwirrt durch die Krankenstation und läuft dem nichtsahnenden Captain in die Arme, der gar nicht verstehen kann, über was sich sein erster Offizier so sehr freut. Man kann nur spekulieren, aber wahrscheinlich war es die sexuelle Natur des Pon farr, die in Deutschland die Selbstzensur auf den Plan rief. Da Raumschiff Enterprise im ZDF im Vorabendprogramm lief und Science Fiction gemeinhin als Kinderkram abgetan wurde (woran sich bei den Öffentlich-Rechtlichen bis heute nicht viel geändert hat), hatte man sich wohl entschlossen, die Episode in diesem Sinne zu entschärfen.

In einigen Fällen leiden die deutschen Episoden auch unter der Weglassung von Szenen. Dies ist vor allem dadurch begründet, daß die deutsche Fassung von TOS um ein paar Minuten auf exakt 45 Minuten je Episode gekürzt wurde. Meist wurden keine wesentlichen Szenen weggelassen. Doch in einem Fall ergab sich eine signifikante Abweichung der deutschen Fassung. In TOS: "Stein und Staub" verwandeln die Kelvaner mehrere Besatzungsmitglieder in handliche Kästchen. In der Originalfassung zerquetscht der Kelvaner Rojan zur Demonstration eines der Kästchen zu Staub und tötet damit die junge Frau. Diese Szene fehlt in der deutschen 45-Minuten-Fassung. Da dies der einzige Todesfall in der Folge bleibt und am Ende auf eher humorige Art eine Verständigung mit den Kelvanern gefunden wird, erscheint ausnahmsweise die gewaltfreie deutsche Fassung als angemessener.

Fast vergessen hätte ich ich das ultimative Synchronisationsmysterium, das deutschsprachige Fans seit Jahren immer wieder verblüfft. "Nicht zu fassen, Thorndykes Idee," sagt Uhura in "Star Trek III" beim Anblick der Excelsior, kurz bevor Kirk das Schiff vorstellt und Sulu von ihrem angeblichen Transwarpantrieb schwärmt. Im Original gibt es keinen Thorndyke, sie sagt lediglich "Would you look at that". Eine Erklärung gibt es bis heute nicht. Man kann nur mutmaßen, daß vielleicht Nichelle Nichols's deutlich sichtbare Zunge beim "th" die Veranlassung war, ein Wort mit "th" einzufügen, das in der deutschen Synchronisation nur ein Name sein kann.

 

Titelkandidaten

Etwas mehr Kreativität, als bei den Dialogen opportun wäre, ist in der Regel angebracht, wenn es um die Übersetzung der Episodentitel geht. Diese Arbeit fing schon beim Titel der Serie an. "Star Trek" läßt sich wörtlich praktisch nicht übersetzen, und sinngemäß würde es etwa "Zug zu den Sternen" heißen. Ein schöner Titel, der aber im Deutschen zu allgemein geklungen hätte, da ihm die Prägnanz fehlt und die Originalität des Wortes "Trek". Und "Stern Treck", wie es Babelfish (oder war es Google?) gern übersetzt, wäre sicherlich auch keine gute Alternative gewesen. Da fragt man sich unweigerlich, warum nicht einfach der Originaltitel unverändert übernommen wurde. Aber es waren halt die 70er Jahre, in denen das Fernsehen seine Zuschauer nicht mit zu vielen Fremdwörtern belasten wollte, deren Bedeutung nicht offensichtlich war. So wählte das ZDF letztendlich einen sehr trivialen, wenn auch exakten Titel, nämlich "Raumschiff Enterprise".

Für TNG hätte "Raumschiff Enterprise: Die nächste Generation", mit wörtlicher Übersetzung des Zusatztitels, perfekt gepaßt. Doch aus irgendeinem Grund entschied man sich für "Das nächste Jahrhundert", was immerhin auch sachlich zutrifft. Während "Star Trek: Deep Space Nine" unübersetzbar war und deshalb der Originaltitel blieb, wurde bei "Star Trek Voyager" unnötigerweise noch ein "Raumschiff" eingeschoben. Bei "Enterprise" schließlich blieb nichts anderes übrig als den Originalnamen zu übernehmen, obgleich bei Nicht-Fans die Verwechslungsgefahr mit "Raumschiff Enterprise" enorm ist.

Viele Episodentitel, die sich im Englischen reimen ("Q Who", "Q2"), die ein Wortspiel darstellen ("Devil's Due", "Trials and Tribble-ations"), die Literaturzitate beinhalten ("Nor the Battle to the Strong", "The Dogs of War"), die ein geflügeltes Wort oder Sprichwort darstellen ("The Best of Both Worlds", "All Good Things") oder die auf einen nur im Englischen bekannten anderen Titel anspielen ("I, Borg", "Tinker, Tenor, Doctor, Spy"), lassen sich nicht gleichzeitig wort- und sinngemäß übersetzen. Insgesamt hätten aber mehr Titel unverändert übernommen oder wörtlich übersetzt werden können. In allen fünf Serien finden sich zahlreiche Episodentitel, die nicht unbedingt unpassend, aber doch sehr direkt verglichen mit dem Original sind, als müsse man dem deutschsprachigen Zuschauer im Titel genau erklären, worum es in der Folge geht. TOS: "Griff in die Geschichte" ist ein schrecklich prosaischer Titel, wo es doch wörtlich übersetzt sehr gut "Die Stadt am Rande der Ewigkeit" hätte heißen können. Und TOS: "Was summt denn da?" hört sich verglichen mit "Wink of an Eye" ziemlich blöd an. TNG: "Angriff der Borg" beschreibt zwar halbwegs richtig den Inhalt der Doppelfolge "Descent", aber im Nachhinein, nach so vielen Borg-Angriffen, bringt man den Titel nicht mehr unbedingt mit dieser spezifischen Folge in Verbindung.

Darüber hinaus gibt es auch unter den Titeln einige, die auch mit dem größten Wohlwollen einfach sachlich falsch sind. Dazu gehört sicher die schon klassische TOS: "Notlandung auf Galileo 7", wobei sich der geneigte Zuschauer unweigerlich fragt, wer oder was bei welcher Gelegenheit auf dem Dach des gleichnamigen Shuttles niedergeht. Und beim TNG: "Zeitsprung mit Q" wartet man vergeblich auf die Zeitreise. In neue Welten stößt die Folge DS9: "Die Erforscher" vor, wenngleich auch nur in sprachlicher Hinsicht. Offensichtlich war das seltsame Wort "Erforscher" (das eigentlich nur mit einem Genitiv wie etwa "Erforscher des Alls" verwendet werden kann) statt einfach "Forscher" ein Versuch, dem Originaltitel "Explorers" klanglich näherzukommen.

Ein grober Schnitzer findet sich im übrigen schon im Vorspann von TOS, dessen Wortfolge in der deutschen Version völlig verändert wurde. "...to boldly go where no man has gone before" hätte man durchaus sinngemäß übertragen können, doch in der deutschen Fassung heißt es: "Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat". Natürlich tut sie das nicht. Zumindest nicht, bis die Enterprise-D in TNG: "Where No One Has Gone Before" (sic!) bzw. "Der Reisende" es bis zur Galaxie M-33 schafft.

 

Quellen

Einige Anmerkungen bezüglich der Übersetzung von TOS sind sinngemäß aus Das Star Trek Universum von Ralph Sander übernommen. Danke an Patrick Kovacs für weitere Übersetzungsfehler und an Björnar für eine Korrektur und eine mögliche Erklärung für "Thorndykes' Idee". Besonderen Dank an Jan Kockrow, der die faszinierende Erklärung für "Pane Chekov" gefunden hat.

 


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Last modified: 01.07.14  
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